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König der Spione - John le Carré

Di 26.01. um 20.15 Uhr

John le Carré; Rechte: dpa

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Di 26.01. um 20.15 Uhr
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König der Spione - John le Carré

Dokumentarfilm Deutschland 2008
Ein Film von Werner Köhne und André Schäfer

Der Schriftsteller John le Carré, vor allem bekannt für seine auflagenstarken Spionagethriller, wird in der Dokumentation von André Schäfer und Werner Köhne als streitbarer Zeitzeuge vorgestellt. Er hält vor allem den Menschen im Westen einen Spiegel vor, der die Entwicklungen und den Wandel einer ganzen Epoche wiedergibt. Doch auch die Würdigung des literarischen Werkes von le Carré kommt in dem Porträt nicht zu kurz.

Die Welt der klassischen Spionage sollte beinahe einer ganzen Epoche, nämlich der des Kalten Krieges, ihren Namen geben. Dieser Name selbst schien einem Romantitel des britischen Schriftstellers John le Carré nachgebildet zu sein. 'Der Spion der aus der Kälte kam', 1963 erschienen, war literarisch ein höchst ambitioniertes Werk und mehr als ein Roman. Rückblickend kann es als historisches Dokument betrachtet werden.

Ein Literaturkritiker hat die Romane le Carrés mit Bildern des Malers Breughel verglichen. In gestochenen Farben und deutlich gestalteten Charakteren wird das Szenario einer Welt zwischen Wirklichkeit und Traum, Fortschritt und Stillstand, Freiheit und Gewalt sichtbar. Nach dem Ende des Kalten Krieges hat John le Carré in mehreren Romanen der Erosion der kommunistischen Systeme ebenso Raum gegeben ('Das Russlandhaus') wie dem im Nahen Osten heraufdämmernden Terrorismus ('Die Libelle'). Und nach der politischen Wende 1989 entwickelte er sofort ein Gespür für die globalen Verwerfungen der neuen Weltordnung.

Terrorismus, Waffenschmuggel und Ausbeutung der Dritten Welt sind jetzt seine bevorzugten Themen, die er auch in Tageskommentaren und Gesprächen behandelt. Der rüstig gebliebene Autor, der einst auch in diplomatischen Diensten stand und heute wechselweise in London und Cornwall lebt, ist in seiner politischen Position gegenüber der westlichen Kriegs- und Symbolpolitik eines George W. Bush und eines Tony Blair radikaler und zorniger geworden. Zudem erkennen Leser seiner Romane wie 'Der ewige Gärtner' oder 'Absolute Freunde' eine wachsende Skepsis gegenüber einer moralischen Überlegenheit des Westens, an die le Carré früher zumindest noch partiell geglaubt hatte.

Das Porträt folgt den Spuren des Autors an reale Orte seines Lebens und Handlungsorte seines literarischen Schaffens. Es mischt historisches Archivmaterial mit Ausschnitten von Romanverfilmungen. Dabei begleitet John le Carré, der dem Projekt als 'seinem letzten Film' zugestimmt hat, den Zuschauer auf einigen Stationen seines Lebens - etwa nach Bonn-Bad Godesberg und Hamburg, wo sein jüngster Roman spielt. Er empfängt die Filmemacher in seinem Haus in Cornwall und in seinem Zweitwohnsitz in London und lässt tief in sein Werk und in die Welt der Spione blicken.