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Dokumentation und Reportage

Die Seelenflüsterer

Do 07.01. ab 14.15 Uhr

Die Seelenflüsterer; Rechte: SWR

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Die Seelenflüsterer - Turbo-Coaching gegen Stress und Angst

Ein Film von Liz Wieskerstrauch

Panische Prüfungsangst, Flashbacks nach einem Hubschrauberabsturz, Angstschweißattacken, eine Phobie - das sind lähmende Stressmomente, die den Alltag belasten und die man möglichst rasch wieder los werden möchte. Aber wie, ohne sich auf langwierige Therapien einlassen zu müssen? Ohne seine ganze Kindheit "auspacken" zu müssen, bloß weil man beispielsweise eine Präsentationsschwäche oder Lampenfieber oder einfach nur Angst vorm Zahnarzt hat? Wie kann man sein Seelenheil undramatisch und schnell wieder erlangen? Sozusagen ganz nebenbei?

Die außergewöhnliche Coachingmethode des Psychologenehepaars Cora Besser-Siegmund und Harry Siegmund basiert auf einer Kombination eines traumatherapeutischen Verfahrens mit einem Muskeltest der Kinesiologie. Dadurch können solche Probleme oft in nur einer Sitzung gelöst werden. Mit dem einfachen Muskeltest an der Hand lässt sich die Ursache einer Stressreaktion genau finden, denn bei Wörtern, die das Limbische System irritieren, reagiert der Muskeltonus mit einer deutlich spürbaren Schwächereaktion, der kraftvoll gehaltene Ring von Daumen und Zeigefinger geht auf - ein spannendes Unterfangen für Klienten und Psychologen gleichermaßen.

Häufig stößt man dabei auf Ereignisse, die Jahre oder Jahrzehnte zurück liegen und die man als längst verarbeitet betrachtet oder gar vergessen hat. Offenbar ist doch noch eine Spur davon hängen geblieben. Das Ereignis muss noch vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis "verschoben" werden. Dazu müssen beide Gehirnhälften gleichzeitig arbeiten, wie in der REM-Phase im Schlaf. Um das zu erreichen, "winken" die Psychologen vor den Augen des Klienten hin und her, und wenn dieser mit den Augen der schnell winkenden Hand folgt, erfährt er in Sekundenschnelle eine Verbesserung, oft verbunden mit dem Gefühl einer Erleichterung.

Diese Coachingmethode ist rasant und voller Leichtigkeit und macht mit vielen überraschenden Erkenntnissen Klienten und Zuschauern Spaß, weil psychologische Zusammenhänge im Sinne von Lebenshilfe alltagsnah und spannend erzählt werden.

Folge 1

Die Abiturientin Jana hat panische Prüfungsangst. Am meisten Angst hat sie vor der mündlichen Prüfung. Sie befürchtet, ganz den Kopf zu verlieren und einen Blackout zu erleben. Dann würde sie das Abitur nicht bestehen. Sie erfährt von der neuartigen Coachingmethode und lässt sich schnell einen Termin geben, noch vor der nächsten Prüfung.

Ernst Hölscher war jahrelang nicht beim Zahnarzt, denn er hat schreckliche Angst davor. Sein Zahnarzt schickt ihn zum Coaching.

Der 11-jährige Felix ist hyperaktiv. Die Krankheit nennt sich ADHS und fühlt sich an, als würden alle Nerven bloß liegen. Er braucht viel Aufmerksamkeit. Oft rastet er aus und bekommt Wutanfälle. Drei Mal musste das intelligente Kind schon die Schule wechseln. Klassische Verhaltenstherapie hat er schon hinter sich. Nun meldet er sich beim Coaching an.

Folge 2

Vanessa L. hat ihrem Freund zum Geburtstag einen Rundflug geschenkt, sie starten ganz euphorisch, doch plötzlich kommt der Hubschrauber ins Trudeln und stürzt ab. Körperlich kommt sie einigermaßen heil heraus, doch nach ein paar Tagen streikt die Seele: Schlafstörungen, Panikattacken, extreme Schreckhaftigkeit, und eine große innere Leere. Vanessa L. findet aus dem Gefühlswirrwarr nicht mehr heraus. Ärzte und Psychologen vertrösten sie nach dem Motto: Zeit heilt alle Wunden. Dem ist aber nicht so.

Die Abiturientin Jana geht wegen ihrer Prüfungsangst zu Harry Siegmund. Vor allem vor der Mündlichen hat sie große Angst. Beim Coaching kommt heraus, dass sie vor der Aufforderung einer Lehrerin "Kommen Sie mal mit" deshalb so große Angst hat, weil sie als Kind einmal mit ähnlichen Worten weg gelockt wurde.

Vanessa L. will nicht, dass sich ihre Symptome verfestigen, sie geht lieber gleich zu Cora Besser-Siegmund. Sekunde für Sekunde arbeitet sie den Hubschrauberabsturz noch einmal durch. Erstaunlicherweise ist es gar nicht so sehr die Panik, die ihr zu schaffen macht, sondern vor allem Trauer, die sie kurz vorm Aufprall empfunden hat - vorweg genommene Trauer um den drohenden Verlust des Lebens. Nachdem sie den Absturz im Coaching bearbeitet hat, geht es ihr sofort und nachhaltig wieder gut.

Der 11jährige Felix lernt bei Harry Siegmund Strategien, wie er seine Wut bewältigen kann. Zuhause schafft er es manchmal, indem er Klavier spielt. Doch in der Schule? Auf dem Schulhof? Sonst wo unterwegs? Der Psychologe übt mit ihm, sich das Klavierspiel im Geiste vorzustellen und sich dabei zu beruhigen. Felix ist begeistert. Und sie entwickeln ein inneres Modell, eine Gestalt für den ungezügelten Felix, das "Rumpelmännchen". Das hilft dem Jungen, sich mit den eigenen unliebsamen Eigenschaften auseinander zu setzen.

Folge 3

Martina Griefahn ist eine hervorragende Golfspielerin. Nach einer längeren Unfallpause trainiert sie nun für die nächste Turniersaison. Sie will an frühere Erfolge anknüpfen. Auch ihr Mann spielt Golf, immer einen Tick besser als sie. Zur Hochzeit vor vielen Jahren hat er im Spaß angekündigt, sich scheiden zu lassen, wenn Martina jemals ein besseres Handicap hätte als er. Das wurmt sie. Nun möchte sie auch mental trainieren und geht zu Cora Besser-Siegmund.

Der Künstler Richard Wistrach ist an sich sehr selbstbewusst und locker. Aber wehe, er soll sich und seine Foto-Kunst verkaufen. Bei Präsentationen steht er völlig neben sich und bekommt Angstschweißattacken, die ihm äußerst unangenehm sind. Die Schweißperlen tropfen ihm von der Stirn über die Nase auf die zu präsentierenden Postkarten. Warum das so ist, weiß er nicht. Er hat von der neuartigen Coachingmethode gehört und will es ausprobieren.

Diesmal kommt der 11-jährige Felix mit seiner Mutter zum Coaching. Gemeinsam versuchen sie, ihr Rollenverhalten aufzudröseln. Oft ignoriert er sie, dann wird sie zornig. Morgens, wenn Papa Zeitung liest, ist ihm langweilig. Das provoziert ihn, den Kasper zu machen und allen auf den Geist zu gehen. Harry Siegmund geht Schritt für Schritt vor.

Die Autorin Gabriele Küter kann ein bestimmtes Wort nicht schreiben und nicht aussprechen: Feder. Das hat mit einer frühkindlichen Erfahrung zutun. Mit fünf Jahren war sie bei einer Pflegefamilie. Die hatten Hühner. Einmal hat sie eines davon gestreichelt, gegen den Strich, seit dem empfindet sie unüberwindbaren Ekel vor allen Vögeln und Federn. Sie rätselt, wie sich daraus eine handfeste Phobie entwickeln konnte, und vermeidet alle Plätze, an denen Vögel sind. So wird jeder Spaziergang zum Stress.

Folge 4

Der Künstler Richard Wistrach ist beim Coaching völlig überrascht. Er dachte, seine Präsentationsschwäche mit Angstschweiß hätte mit beruflichen Vorerfahrungen zutun. Stattdessen kommt heraus, dass er als Kind öfter von zwei größeren Jungen verprügelt wurde und mit der Angst reichlich ins Schwitzen kam. Seitdem bekommt er bei Stress immer gleich Schweißanfälle. Bei Präsentationen tropfen ihm dann die Schweißperlen von der Stirn über die Nase auf die zu präsentierenden Postkarten. Nach nur einer Coachingstunde bei Cora Besser-Siegmund ist das weg. Dabei hat er sich jahrzehntelang mit den Angstschweißattacken herumschlagen müssen.

Gabriele Küter hat ihre Federphobie seit 50 Jahren kultiviert und verfestigt. Obwohl sie nicht an einen Erfolg glaubt, probiert sie das Coaching mal aus. Zuerst vermeidet sie das Wort ganz. Sie spricht nur von ihrer "F-Punkt-Phobie". Doch nach nur einer Coachingstunde kann sie Worte wie Vogel und Federn problemlos sagen. In einer Konfrontation nähert sie sich sogar dem Kanarienvogel von ihrem Seelencoach Harry Siegmund. Dennoch geht es ihr Tage nach dieser Stunde gar nicht gut, die Vorstellung von fliegenden Federn und das dazu gehörende Ekelgefühl hat sich rasch wieder eingestellt. Sie würde wohl mehrere Stunden brauchen, doch sie gibt auf.

Felix thematisiert bei Harry Siegmund seine unweigerliche Lust zu Machtspielen, vor allem mit seiner Mutter. Die wird inzwischen von Cora Besser-Siegmund gecoacht und setzt sich dabei mit dem "Rumpelmännchen" auseinander - das Modell einer inneren Gestalt, die für die Wutanfälle von Felix verantwortlich ist. In der Imagination lassen beide auch gewisse Aggressionen gegen den anderen heraus, um sich hinterher in der Wirklichkeit besser zu vertragen denn je.