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Zeichentrickfilm Frankreich USA 2007
Musik: Olivier Bernet
Buch und Regie: Marjane Satrapi und Vincent Paronnaud
Mit bislang nie gesehener satirischer Zuspitzung kritisieren Marjane Satrapi und ihr Co-Regisseur Vincent Paronnaud in ihrem ästhetisch überragenden Animationsfilm die politischen Zustände im Iran - mit besonderem Augenmerk auf die Unterdrückung der Frauen.
Als Achtjährige erlebt die aufgeweckte Marjane die Vertreibung des Schahs aus dem Iran. Die religiösen Fundamentalisten ergreifen die Macht, worauf Regimegegner zu Tausenden im Gefängnis landen, Frauen Schleier tragen müssen und westliche Kulturgüter verboten werden. Mit dem Hören untersagter Heavy-Metal-Musik protestiert die rebellische Marjane gegen das rigide Regelwerk der Mullahs, dem die Würde der Frau nichts gilt. Noch ist der kleinen Punkerin nicht bewusst, wie gefährlich ihre Aufsässigkeit ist, auch für ihre Familie.
Marjane wächst im Iran der 80er Jahre auf, einem Land, das sich trotz der Schah-Diktatur an westlicher Kultur orientiert. Die aufgeweckte Achtjährige liebt Pommes frites, Adidas-Schuhe und Bruce Lee. Mit dem Sturz des Schahs schöpfen Marjanes Eltern Hoffnung auf eine bessere Zukunft, die durch die Machtergreifung der Fundamentalisten im Keim erstickt wird. Als "Symbol der Freiheit" müssen Frauen Schleier tragen. Alles, was der inzwischen 14-Jährigen lieb und teuer ist - Schallplatten von Abba, Punk- und Heavy-Metal-Musik -, wird als "westliche Dekadenz" verteufelt und ist nur auf dem Schwarzmarkt zugänglich. Als renitente Punkerin wirft die schlagfertige Marjane ihren Lehrern in der Schule die Doppelmoral des Regimes vor, worauf ihre besorgten Eltern die rebellische Tochter zum Schutz nach Österreich schicken.
Ein unüberwindlicher Kulturschock nebst quälendem Heimweh zwingt die junge Frau jedoch bald zur Rückkehr. Das restriktive Leben unter dem Schleier wird für die ambitionierte Kunststudentin immer grotesker: Botticellis "Geburt der Venus" darf nur mit schwarzen Zensurbalken gezeigt werden. Und als sie sich einmal zur Vorlesung verspätet, wird ihr auf der Straße sogar das Rennen untersagt - denn dabei wackelt ihr Hintern, und das empfinden die allgegenwärtigen Revolutionswächter als "unmoralisch". Nach dem Scheitern ihrer Ehe gilt Marjane für alle Männer als Freiwild. Entmutigt kehrt die 24-Jährige ihrer Heimat endgültig den Rücken, in Frankreich macht sie Karriere als Comiczeichnerin.
Diese Adaption der zweiteiligen Graphic Novel "Persepolis" ist ein Geniestreich. Der Oscar-nominierte und 2007 mit dem Großen Preis der Jury in Cannes ausgezeichnete Animationsfilm, von der Autorin selbst gemeinsam mit Vincent Paronnaud realisiert, erzählt die jüngere iranische Geschichte aus der selbstironischen Perspektive eines heranwachsenden Mädchens und verdeutlicht die Zeitgeschichte ebenso lakonisch wie durch handfeste Alltagsdetails. Jenseits gut gemeinter Agitation macht die Regisseurin mit ausgefeilter Schwarz-Weiß-Ästhetik und grimmiger Komik ihr Leiden an der alten Heimat zum Motor eines gerade durch die Verfremdung wahrhaftigen, einzigartigen Films: "Lachen ist die subversivste aller Waffen" heißt das Credo von Marjane Satrapi.
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