Mi 27.06. ab 20.15 Uhr
Mi 27.06. um 00.40 Uhr
Do 28.06. ab 14.45 Uhr
Fr 29.06. um 09.05 Uhr
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Punk in der DDR
Ein Film von Carsten Fiebeler und Michael Boehlke
Punk im Osten, das war Subkultur im anderen Deutschland, das war Tumult, das war totale Verweigerung. Die Punks in der DDR stießen an die Grenzen eines Systems, das seine Jugend steuern wollte. Im Konflikt zwischen Kollektiv und Individuum, Zukunftsnorm und Lebenslust, schrieben sie ein bizarres Kapitel ostdeutscher Geschichte. Der Film porträtiert sechs Protagonisten der frühen Ostpunk-Bewegung über das Ende der DDR hinaus, erzählt von Anpassung, Konsequenz, Zwängen, Unabhängigkeit und von der Verwandlung einer allgemeinen Verweigerung in künstlerische und politische Praxis.
Aktuelle Filmaufnahmen werden mit unveröffentlichtem Original Super-8-Material kombiniert, DDR-Propagandafilme prallen auf Animationen mit Clipcharakter. Fotos und Filme zu Ostpunk waren in dieser Fülle bisher nicht zu sehen. Die ehemals illegalen Aufnahmen von DDR-Punkbands dürften in dieser Bandbreite bisher einmalig sein.
Die Malerin Cornelia Schleime entwickelte eine unkonventionelle Bildsprache, die sich dem festgelegten Formen-Inventar des sozialistischen Realismus verweigerte.
Bernd Stracke war Sänger der legendären Leipziger Punkband "Wutanfall". Sein Protest gegen ein totalitäres System war bewusst und politisch. Er wurde zweimal inhaftiert und sah sich gezwungen, die DDR zu verlassen. Colonel ist sicher derjenige, der am kühnsten das DDR-Regime in Frage stellte. Er war eine zentrale Figur der Ostberliner Punkszene.
Daniel Kaiser spielte bis 1983 Bass in der Ostberliner Punkband "Planlos". Auch er verließ die DDR, ging nach Italien, wo er über Jahre in verschiedenen Theatern arbeitete.
Mita Schamal hat sich äußerlich am weitesten von ihrer Vergangenheit entfernt. Die unkonventionelle Art des Punk und die Unbeschwertheit einer Junggebliebenen hat sie sich dagegen bewahrt. Doch diese Unbeschwertheit bleibt überschattet von einem schweren Bruch in ihrer Biografie. 1983 wurde die Ostberliner unkband "Namenlos" aufgrund ihrer drastischen politischen Texte inhaftiert. Mita war Schlagzeugerin und damals 17 Jahre alt. Bis heute hat sie mit den psychischen Folgen ihrer Inhaftierung und ihrer Verzweiflung danach zu kämpfen. Als Mutter einer Tochter versucht sie, Teil einer Gesellschaft zu werden, die auch nach der DDR nicht die ihre ist.
Mike Göde spielte in der DDR in mehreren Ostberliner Punkbands. Sein Lebenslauf behauptet am radikalsten die Vereinbarkeit von Punkrock-Vergangenheit mit bürgerlicher Gegenwartsexistenz. Er wohnt mit seiner Frau im selbstgebauten Eigenheim und liebt es, teure Autos zu fahren. Er arbeitet als selbständiger Subunternehmer auf den Baustellen Berlins. Das lässt ihm Freiraum für seine zweite Existenz als Sänger und Kopf der Hardcorepunkband "Punishable Act".
Mi 27.06. um 21.45 Uhr
Do 28.06. um 04.20 Uhr
Ein Film von Fosco und Donatello Dubini
Am 29. August 1979 wird sie in Paris zum letzten Mal gesehen. Nach 10 Tagen wird ihre Leiche in einem Auto gefunden. Nackt, in eine Decke gehüllt. Neben ihr Schlaftabletten und ein Abschiedsbrief. Alles deutet auf Selbstmord hin, aber die, die sie kannten, bezweifeln das bis heute.
Es begann als Märchen. Jean Seberg ist schon berühmt vor ihrem ersten Film, für den die unbekannte 17jährige 1955 unter 18.000 Bewerberinnen für die Rolle der Heiligen Johanna ausgewählt wird. Der Film wird ein Flop. Erst mit 'Außer Atem' wird sie 1960 zu einer Kultfigur des neuen Kinos. Bis zu Ihrem Tod wird sie viele Filme drehen, aber nur zwei oder drei gelingen. Sie pendelt zwischen Frankreich und Hollywood, gerät in Aktivitäten der Black Panther, wird vom FBI überwacht, das eine Schmutzkampagne in Gang setzt, um ihre Karriere zu ruinieren. Ihre gescheiterten Ehen haben gemeinsam, dass die Männer erfolglose Filme mit ihr drehen, einschließlich peinlicher biographischer Details. Die letzten Jahre werden schrecklich: Verfolgung und Verfolgungswahn (aus gutem Grund, wie man nach ihrem Tod erfährt), Drogen, Alkohol,
Krankenhausaufenthalte.
Der Film der Dubinis ist ein Film der Orte und der Erinnerungen: die noch immer unveränderte Wohnung in Paris, ein Provinznest in Iowa, ein Friedhof. Es erinnern sich ein Kameramann, ein Agent, ein Leibwächter, ein Ehemann, eine Nachbarin, ein Fotograf, ein Kinobesitzer. Die meisten Erinnerungen sind noch immer von tiefer Anteilnahme geprägt.
Do 28.06. um 16.15 Uhr
Als unbewaffnete Leibwächter in Kolumbien und Mexiko
Ein Film von Rasmus Gerlach
Sie sind die Schrecken der Herrschenden und die Hoffnung der Verfolgten - und sie sind die unbekannten Helden von heute: die Mitglieder der Peace Brigades International (PBI), einer Nicht-Regierungs-Organisation, deren Tätigkeit auf absolute Gewaltfreiheit basiert.
Die freiwilligen Mitglieder der Organisation, die "Brigadisten", sind Menschen ab 25 Jahre - mit oder ohne Berufsausbildung, mit linearen oder gebrochenen Biografien. Sie werden ein Jahr lang mit psychologischem Training und mit Sprachunterricht auf ihren Einsatz vorbereitet. Sie lernen, sich nicht in die politischen Konflikte vor Ort einzumischen - unparteiisch zu bleiben. An den Orten ihrer Tätigkeit bekommen sie lediglich ein Taschengeld sowie freie Kost und Logis. Ihre "Arbeitswerkzeuge" sind Pässe, Handys und Satellitentelefone. Ein T-Shirt mit dem Aufdruck "pbi" wird zum Erkennungsmerkmal und wirkt wie "eine weiße Fahne zwischen den Fronten."
Seit 25 Jahren sind die Mitglieder der Peace Brigades International in Ländern aktiv, in denen Menschenrechtler, Männer wie Frauen, vom Tod bedroht sind. Als unbewaffnete "Bodyguards" begleiten sie "potenzielle Ziele" von Todesschwadronen oder auch bedrohte Politiker von kommunaler bis parlamentarischer Ebene, oft rund um die Uhr - in Kolumbien, Guatemala, Haiti, Timor, El Salvador, Sri Lanka, Indonesien und Mexiko.
Sie sind überall dort im Einsatz, wo Bürger "zum Verschwinden gebracht werden." Besonders in Kolumbien ist die Existenz der Organisation PBI der einzige Schutz für bedrohte Menschrechts-Aktivisten, die auf Listen der Paramilitärs oder Todeschwadronen gerieten.
Rasmus Gerlach hat mit seiner Handkamera "Brigadisten" der PBI nicht nur durch den kolumbianischen Urwald, sondern auch in die Städte, ja sogar in deren Gefängnisse hinein begleitet. Selbst bei blutigen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten war er mit seiner Kamera dabei.
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