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Ein Film von Lutz Hachmeister und Mathias von der Heide
Kaum eine andere Institution hat die Bürger der ehemaligen DDR so miteinander verbunden, wie die Freie Deutsche Jugend. Der Mitgliedschaft in der FDJ konnte man sich kaum entziehen - und wenn doch, dann in der Regel nur mit negativen Konsequenzen für Biografie und Karriere.
In ihrem Dokumentarfilm "Freundschaft! Die Freie Deutsche Jugend" beleuchten Grimme-Preisträger Lutz Hachmeister und Co-Regisseur Mathias von der Heide zum ersten Mal die Gesamtgeschichte dieser merkwürdigen Institution, deren Insignien das blaue Hemd und die aufgehende Sonne waren. Der Film wurde im September 2009 mit dem Deutschen Fernsehpreis ausgezeichnet.
In der FDJ lernte der gesamte Führungsnachwuchs der DDR "Kaderpolitik", auch die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel hielt es für ratsam, sich dort aktiv zu engagieren. So manches FDJ-Kollektiv bot Spaß, Anklänge von Popkultur und Auslandsreisen. Auf der anderen Seite wurde auch paramilitärisch gedrillt, zu öden Aufmärschen und Fahnenappellen aufgerufen und mit "Gesinnungsfreunden" im Westen kooperiert - so mit der damaligen "konkret"-Redakteurin Ulrike Meinhof.
In einem besonderen Kapitel des Films beschäftigen sich Hachmeister und von der Heide auch mit der eher unbekannten Geschichte der West-FDJ, die in der Adenauer-Zeit schon 1951 verboten wurde. Der Film schildert die Geschichte des Jugendverbandes von seinen Anfängen in den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts bis zum Niedergang der DDR. Ehemalige prominente und weniger prominente Blauhemden aller FDJ-Generationen erzählen ihre zumeist zwiespältigen Erlebnisse, die sich in der Kombination mit Archivmaterial und DEFA-Filmen zu einer Gesamtschau darüber verdichten, wie die DDR-Führung Schritt um Schritt ihre Jugend verlor.
Hans Modrow und Wolfgang Seiffert gerieten gegen Kriegsende in russische Gefangenschaft, wo sie zu sozialistischen Kadern herangebildet wurden. 1949 kamen sie zurück nach Deutschland, Modrow begann in Ost-Berlin seine politische Karriere bei der FDJ. Seiffert ging in die Bundesrepublik, wo er mit Genossen wie Manfred Kapluck die West-FDJ aufbaute.
Die inneren Auswirkungen des Kalten Krieges in der DDR beschreiben die Schriftstellerin Irene Böhme und der studentische Dissident Horst Herlemann, der 1965 wegen "staatsgefährdender Hetze" zu sechs Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Der ehemalige bundesdeutsche Regierungssprecher Klaus Bölling schildert seinen kurzen Flirt mit KPD und FDJ nach 1945.
Für die mittlere DDR-Generation steht Lothar Bisky, der 1959 nach dem Abitur auf eigene Faust in die DDR übersiedelte. Die heutige Bundestagsabgeordnete Dagmar Enkelmann arbeitete als Geschichtslehrerin in der FDJ-Jugendhochschule "Wilhelm Pieck", die auf dem Gelände der ehemaligen Goebbels-Villa am Bogensee etabliert wurde. Hier studierte auch der aus dem Westen stammende Jungkommunist und heutige "stern"-Korrespondent Adrian Geiges.
Über Jugendkultur, Musik und Film sprechen der ehemalige ELF 99 Redakteur Jan Carpentier, der mit seinen Reportagen über die Waldsiedlung Wandlitz in der Wendezeit berühmt wurde und Funktionärstochter Marion Brasch vom DDR-Jugendradio DT64. Die Ostpunks Kai-Uwe Kohlschmidt und Chris Hinze von der Band "Sandow" und Christian "Flake" Lorenz von "Feeling B", der heute bei "Rammstein" spielt, erklären, wie man als DDR-Jugendlicher rebellieren und abseits der staatlich vorgegebenen Normen leben konnte.
Das alltägliche - im Nachhinein amüsante - Abducken und Durchmogeln beschreiben die Schauspielerinnen Anja Kling und Vivian Hanjohr. Letztere war die Hauptdarstellerin in dem seinerzeit unter kritischen DDR-Bürgern viel beachteten Spielfilm "Erscheinen Pflicht". Dieser Film wurde wegen seiner "Staatsverdrossenheit" nach der Premiere "totgeschwiegen", wie sich der Regisseur Andreas Dresen, seinerzeit Student an der Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf", erinnert. Dresen selbst bekam wegen seines FDJ-Auftragsfilmes "Jenseits von Klein Wanzleben" Probleme mit der Verbandsführung. Der ironisch gehaltene Studentenfilm über eine "Brigade der Freundschaft" in Simbabwe konnte nur durch Protektion des Hochschulrektors, damals Lothar Bisky, fertiggestellt werden.
Mi 27.06. um 16.15 Uhr
Do 28.06. um 05.30 Uhr
Do 28.06. um 09.00 Uhr
Ein Film von Luise Wagner und Anna Grün
Ihr Leben beginnt ganz unten, am Rande des Abgrunds. Aber sie schaffen es ganz weit nach oben - als Politiker, Top-Manager, Spitzensportler oder Künstler. Schlagerproduzent Jack White ist nur einer von den "Starken". Was ist es, woran die einen wachsen und die anderen zerbrechen? Gibt es ein "Sieger-Gen", das gegen alle Widrigkeiten schützt? Der Film begibt sich auf Spurensuche, was Menschen robust gegen die Schicksalsschläge des Lebens macht.
Mi 27.06. um 17.00 Uhr
Do 28.06. um 09.45 Uhr
Ein Film von Richard Unkmeir und Erika Haas
Die Geschichte beginnt wie ein Märchen: Muammer und Deniz, zwei junge Türken in München, spielen als Laiendarsteller in einem Film mit. Dieser bekommt einen Filmpreis, die Laudatio hält ein bayerischer Staatssekretär. Vor laufender Kamera verspricht der Politiker, er persönlich werde sich um eine Lehrstelle für die beiden bemühen. Wie geht es weiter?
Ein Jahr lang begleitet der Film Muammer, Deniz und ihre Clique im Münchner Osten. Ein soziales Krisengebiet: Arbeitslosigkeit, Aussichtslosigkeit und Alkoholismus. Viele der Jugendlichen hier sprechen weder türkisch noch deutsch, sondern bestenfalls etwas dazwischen. Ihre Identität ist "Weder-noch": In der Türkei sind sie "die Deutschländer", hier "die Türken" - mit eigenständiger Subkultur. Eine Clique, die zusammenhält und ansonsten "schaut, was geht".
Mehtap, eine der wenigen jungen Frauen, die sich vor die Kamera wagen, ist eine Ausnahme. Sie schafft es trotz widriger Umstände, einen Ausbildungsplatz zu finden - wie viele junge türkischstämmige Frauen, die sich ihren Weg bahnen - bis sie heiraten oder verheiratet werden. Die beiden Filmdarsteller Deniz und Muammer scheitern trotz des Angebotes des Staatssekretärs.
Deniz erwartet entweder eine Lehrstelle als Bürokaufmann, weil man da seiner Meinung nach nichts tun muss, oder als Fitnesstrainer, weil das zu seinem Privatleben passt. Muammer will eigentlich gar keine Ausbildungsstelle. Er jobbt als ungelernter Arbeiter, und darüber hinaus "schaut er, was geht". Ein Jahr später hat er keine Träume mehr: Arbeiten und feiern, mehr will er nicht.
"Jungsein auf Türkisch" lässt die Zuschauer miterleben und -fühlen, was in dieser verschlossenen Jugendwelt gleich nebenan passiert. Und der Film zeigt auch das Scheitern der Konzepte, mit denen Politik und Institutionen diesen "schwierigen" Jugendlichen begegnen wollte.
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