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Doku am Nachmittag

Sternstunden der Medizin

'Risiko Operation' erzählt von den großen Entdeckungen der Anatomie und den Revolutionen in der Chirurgie. Die Erfindung der Narkose hatte eine große Bedeutung, sie vermied Schreie vor Schmerzen und ermöglichte lange und komplizierte Eingriffe. ; Rechte: WDR

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Di 17.04. ab 14.45 Uhr
Di 17.04. ab 04.00 Uhr
Sa 21.04. ab 10.45 Uhr

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Auf Leben und Tod - Sternstunden der Medizin (1/4)


Di 17.04. um 14.45 Uhr
Di 17.04. um 04.00 Uhr
Sa 21.04. um 10.45 Uhr


Tödliche Keime
Ein Film von Uwe Kersken und Christian Feyerabend

"Die Heilmittel sind ein Teil der Krankheit selbst", stellte einst der Literat Oscar Wilde fest. Dass diese Einsicht so falsch nicht ist, belegt "Tödliche Keime". Die erste Folge der vierteiligen Fernsehdokumentation "Auf Leben und Tod - Sternstunden der Medizin" zeigt auf spannende Weise, wie die Heroen der westlichen Medizingeschichte durch akribische Beobachtung, riskante Experimente oder auch durch bloßen Zufall der Diagnose und der Therapie von Infektionskrankheiten auf die Spur gekommen sind.

Die Geburt war nie ein Kinderspiel. Noch bis zu Beginn des 18. Jahrhunderts starb jeder dritte von zehn Säuglingen in den ersten Wochen, oft wurden sie zeitgleich mit ihren Müttern begraben. Vor allem in den großen Universitätskrankenhäusern fielen die Frauen massenhaft rätselhaften Infektionen zum Opfer. Der erste Mediziner, der das Kindbettfieber nicht als "gottgegeben" akzeptierte, war 1846 Ignaz Semmelweis in Wien. Als sich ein Kollege in der Pathologie mit einem Seziermesser leicht verletzte und daran qualvoll starb, fand er die Ursache für den Tod der Wöchnerinnen: Sie wurden während der Untersuchung durch die Mediziner infiziert, die zuvor Leichen obduziert hatten. Der Tod klebte an den Händen der Ärzte. Semmelweis wies die Kollegen an, sich die Hände mit Chlorkalklösung zu waschen - mit Erfolg: Die simple Desinfektionsmaßnahme bewahrte Hunderttausende Frauen vor dem Kindbettfieber. Schutz vor Infektionen!

Entscheidend in dieser großen Erfolgsgeschichte der Medizin ist - neben der Hygiene - die Entdeckung der Immunisierung. Als ihr Begründer gilt ein einfacher englischer Landarzt: Dr. Edward Jenner, der Bezwinger der Pocken. Ende des 18. Jahrhunderts beobachtete er, dass Melkerinnen, die bereits an harmlosen Kuhpocken gelitten hatten, sich nicht mit der tödlichen Krankheit ansteckten. Darum wagte Jenner 1796 einen riskanten Versuch: Er infizierte einen Bauernjungen erst mit der Absonderung aus den harmlosen Kuhpocken einer Melkerin und sechs Wochen später mit Variola Vera, dem Pockensekret eines Todkranken. Das beispiellose Experiment gelang: Der Junge blieb gesund, die Schutzimpfung hatte ihn gegen die Pocken immunisiert. Edward Jenners Gartenhaus in der englischen Provinz wurde zur ersten Impfstation der Geschichte. Allerdings: Jenner wusste weder, wie sein Impfstoff wirkte, noch kannte er den Erreger.

Die Welt der Mikroben war noch nicht entdeckt. Und es sollte noch rund 50 Jahre dauern, bis sie Louis Pasteur in Paris unter das Mikroskop nahm. Bei Forschungen für die Alkoholindustrie fand er heraus, dass Hefebakterien Rübensaft zu Schnaps vergären, Essigbakterien ihn aber ungenießbar machen. "Wenn Bakterien Alkohol verderben", fragte sich Pasteur, "können sie dann nicht auch den Menschen krank machen"? Mit dieser Frage im Kopf widmete er sich der Erforschung der Tollwut und entwickelte einen Impfstoff aus dem Rückenmark tollwütiger Kaninchen. 1885 testete er ihn erstmalig an einem Menschen. Das Ergebnis war eine Weltsensation: Joseph Meister, ein 14-jähriger Junge, den ein tollwütiger Hund 14 Mal gebissen hatte, wurde wieder gesund. Die Krankheit war besiegt.

Auf Leben und Tod - Sternstunden der Medizin (2/4)


Di 17.04. um 15.30 Uhr
Di 17.04. um 04.45 Uhr
Sa 21.04. um 11.30 Uhr


Risiko Operation
Ein Film von Uwe Kerken und Christian Feyerabend

Von den großen Entdeckungen der Anatomie und den Revolutionen in der Chirurgie erzählt "Risiko Operation", der zweite Teil der Reihe "Auf Leben und Tod - Sternstunden der Medizin". Ein außergewöhnlicher Operateur, dem die Heilkunst viel zu verdanken hat, ist der französische Feldscher (Militärarzt) Paré. 1552 fand er heraus, dass der Tod durch Verbluten, wie er seit der Antike viele Eingriffe begleitete, buchstäblich unterbunden werden kann: "Gott hat mir die Eingebung gegeben, die freigelegte Schlagader der Amputierten mit einem Faden zuzuschnüren", bekannte der Armeearzt, und rettete mit seiner bis heute praktizierten "Ligatur" Unzähligen das Leben.

Die Grundlage für Parés Erfolg war die Anatomie, die sein Zeitgenosse Andreas Vesalius revolutionierte. Mit der Öffnung von Leichen und der detailgenauen Untersuchung der Toten brach der schon mit 22 Jahren zum Professor Berufene ein großes Tabu. Jedes Organ, jeden Muskel beschrieb er, jede Blut- und Nervenbahn verfolgte er bis in die kleinste Verästelung - und machte so aus der Anatomie eine moderne Wissenschaft.

Doch was nutzt alles Wissen über den menschlichen Körper, wenn operative Eingriffe mit unerträglichen Schmerzen verbunden sind? Mit Schmerzen, die langwierige und komplizierte Operationen unmöglich machen? Solche Fragen zeigen, welche Bedeutung der Narkose zukommt. Erfunden wurde sie 1846 im amerikanischen Boston, wo der Zahnarzt William Morton einen Patienten erstmalig Äther inhalieren ließ. Ohne Schreie, ohne Schmerzen konnte ihm der Chirurg Warren einen Tumor am Hals entfernen. "Der Beruf des Chirurgen" sagte Warren später, "ist für immer von seinem Schrecken befreit."

In Essenzen getränkte Schwämme, abtreibende Kräuter, Kondome aus Schafsdärmen und Fischblasen - die Verhütungsmethoden der vergangenen Jahrhunderte waren abenteuerlich. Eine Zeitenwende bahnte sich erst in den 30er Jahren des vergangenen Jahrhunderts an, als Chemiker in Berlin die Formeln der Sexualhormone Östrogen und Gestagen entschlüsselten. Damit schufen sie die Grundlage für die Entwicklung der Anti-Baby-Pille. 1970 wurden allein in Deutschland 30 Millionen Monatspackungen des Mittels verkauft - und mit jeder ein Stück Selbstbestimmung für Frauen, wie es sie vorher nie gegeben hatte. Doch ungewollte Schwangerschaften waren nicht die einzige Folge vieler sexueller Begegnungen. Lange Zeit quälten auch tödliche Geschlechtskrankheiten wie die Syphilis die Menschen.

Dies änderte sich erst, als der Frankfurter Chemiker Paul Ehrlich im Jahr 1909 Hunderte von Experimenten mit dem Ziel unternahm, die bedrohliche Seuche zu besiegen. Sein Versuch Nummer 606 war endlich erfolgreich: Ehrlich hatte eine Arsenverbindung hergestellt, die Syphilis-Bakterien abtötet. Mit seinen bahnbrechenden Forschungen wurde er zum Begründer der Chemotherapie. Menschliches Leben zu retten war und ist die Devise der Medizin. Doch wie das Leben entsteht, blieb bis zum 17. Jahrhundert ein Geheimnis.

Damals erreichte die "Royal Society" in London ein Brief aus dem holländischen Delft. Absender war der Tuchhändler Antonie van Leeuwenhoek. Um die Qualität seiner Stoffe zu prüfen, betrachtete er sie durch selbst gefertigte Mikroskope. Doch Leeuwenhoek interessierte sich nicht nur für die Beschaffenheit von Stoffen - seine wahre Leidenschaft galt dem Mikrokosmos der Natur. Eines Tages untersuchte Leeuwenhoek sein eigenes Sperma, das "was bei jeder ehelichen Vereinigung zurückbleibt". Und er sah "kleine Tierchen", von denen er 1677 nach England berichtete. Dort ließ man seine Beobachtung prüfen und war nach anfänglicher Skepsis überzeugt: Der Holländer hatte den menschlichen Samen entdeckt.

Auf Leben und Tod - Sternstunden der Medizin (3/4)


Di 17.04. um 16.15 Uhr
Mi 18.04. um 05.30 Uhr
Sa 21.04. um 12.15 Uhr


Sichere Diagnose
Ein Film von Uwe Kersken und Christian Feyerabend

Lange vor der Entdeckung des Blutkreislaufs experimentierten Ärzte mit Bluttransfusionen. Doch fast immer endete die Übertragung mit dem Tod des Empfängers. Bis der Wiener Serologe Karl Landsteiner im Jahr 1901 die Blutgruppen entdeckte. Er löste das Rätsel der Agglutination, der tödlichen Verklumpung bei Blutübertragungen, und konnte so das "Russische Roulette" für die Empfänger von Blutspenden beenden.

Zu den lange Zeit gebräuchlichsten und gleichzeitig unangenehmsten Diagnoseverfahren zählt die Gastroskopie - die erstmals in einer Freiburger Weinstube stattfand. Der Internist Adolf Kussmaul engagierte dort 1868 einen Schwertschlucker, dem er statt eines Schwertes eine Röhre in den Magen schob. Damit war die Magenspiegelung erfunden, mit der man bis heute schmerzhafte Geschwüre aufspürt. Für die Entfernung von Magengeschwüren entwickelte der Wiener Chirurg Theodor Billroth 1881 eine geniale Operationsmethode.

Fortan operierten Generationen von Chirurgen nach der Billroth-Methode, bis eine neue Erkenntnis den Eingriff in vielen Fällen überflüssig machte: Im Jahr 1979 entdeckten die australischen Ärzte Barry Marshall und Robin Warren ein Bakterium, das sie später "Helicobakter pylori" nannten. Im Selbstversuch wies Marshall nach, dass "Helicobakter pylori" Magengeschwüre verursacht. Seitdem reicht eine einwöchige Behandlung mit Antibiotika aus, um viele Patienten von ihren Magengeschwüren zu befreien.

Häufig führen geniale Einsichten, oftmals hartnäckiges Forschen zu medizinischen Fortschritten. Manchmal aber auch der bloße Zufall. Als der Brite Alexander Fleming 1928 von einem Urlaub in sein Labor zurückkehrte, stellte er fest, dass ein Schimmelpilz seine Kulturen aus tödlichen Bakterien vernichtet hatte. Fleming erkannte, dass der "Schimmelsaft" ein hochwirksames Antibiotikum ist, und er gab ihm den Namen "Penicillin". Erst Jahre später gelang die Massenproduktion des Wirkstoffs, doch von da an war der Siegeszug des Penicillins nicht mehr aufzuhalten.

Auf Leben und Tod - Sternstunden der Medizin (4/4)


Di 17.04. um 17.00 Uhr
Mi 18.04. um 06.15 Uhr
Sa 21.04. um 13.00 Uhr


Umstrittene Therapien
Ein Film von Uwe Kersken und Christian Feyerabend

Die Medizin kann auf beeindruckende Erfolge verweisen, die oft gegen heftige Widerstände errungen werden mussten. Dies beleuchtet der vierte Teil der TV-Reihe "Auf Leben und Tod ¿ Sternstunden der Medizin". Gleichwohl erzählt die Folge "Umstrittene Therapien" auch von den Krankheiten, denen Ärzte und Forscher bis heute machtlos gegenüber stehen.

"Chirurgen, die versuchen am Herzen zu operieren, können nicht auf den Respekt von Kollegen hoffen", sagte der große Wiener Chirurg Theodor Billroth noch im Jahr 1880. Herzoperationen waren ein Tabu ¿ bis zur Pioniertat des Chirurgen Alfred Blalock, der im Jahr 1944 in Baltimore als Erster am offenen Herzen operierte. Es gelang ihm, ein Loch in der Herzscheidewand eines Kindes zuzunähen. Allein bis 1962 rettete seine Methode fast 100.000 Amerikanern das Leben.

Stets haben Ärzte versucht, die Fortschritte der Technik für die Medizin zu nutzen. Und so geht eine weitere Pioniertat der Medizin zurück auf die Zusammenarbeit zwischen dem amerikanischen Herzchirurgen Albert Starr und dem Ingenieur Lowell Edwards. Im Jahr 1960 setzten Starr und Edwards zum ersten Mal einem Patienten eine künstliche Herzklappe ein. Ein heute gängiges Ersatzteil, das unzähligen Patienten das Leben um viele Jahre verlängert.

Der berühmteste Herzchirurg aller Zeiten ist wohl der Südafrikaner Christiaan Barnard. 1967 führte er die erste Herztransplantation durch und fand viele Nachahmer. Doch noch Jahre nach dieser Premiere sollten die meisten Empfänger eines Transplantats binnen Jahresfrist sterben. Denn noch war es den Ärzten nicht gelungen, die Abstoßung des körperfremden Organs langfristig zu verhindern.

Während Versuche, Leben mit einem Kunstherz zu verlängern, immer wieder fehlschlugen, erwies sich eine andere Erfindung als segensreich: der Herzschrittmacher. Zwei Schweden entwickelten 1958 den ersten Frequenzgeber. Weltweit bringen heute Schrittmacher durch ihre elektrischen Impulse pro Jahr eine halbe Million Herzen wieder in den richtigen Takt.

Die Geschichte der Medizin ist immer wieder geprägt durch die Diskrepanz zwischen Erkennen und Heilen. Dies gilt auch heute noch für viele Krebsarten. Geht es um die "Geißel der Menschheit", sind die Diagnoseverfahren weiter entwickelt als die therapeutischen Möglichkeiten. So kann zum Beispiel seit der medizinischen Nutzung des Ultraschalls bösartiges von gutartigem Gewebe unterschieden werden. Und dank der Computertomographie ist man heute in der Lage, selbst Krebsherde von weniger als einem Millimeter Durchmesser zu erkennen.

Zur Heilung von Krebserkrankungen setzt die Medizin nach wie vor auf die Chirurgie, die Strahlen- und die Chemotherapie. Doch viel zu oft müssen Stahl, Strahl und Chemo vor der Übermacht des Krebses kapitulieren. Sie zu brechen ist und bleibt eine der größten Herausforderungen der Medizin.

Dank der Fortschritte der Medizin werden die Menschen immer älter. Doch das Schreckgespenst des Alters ist die Alzheimersche Krankheit. Diagnostiziert wurde sie zum ersten Mal im Jahr 1901 von Alois Alzheimer, einem Arzt der "Städtischen Heilanstalt für Irre und Epileptische" in Frankfurt am Main. Er war vom geistigen Verfallsprozess einer erst 51 Jahre alten Frau so berührt, dass er ihre Krankheitsgeschichte genau protokollierte.

Nach ihrem Tod untersuchte er ihr Gehirn und entdeckte dort seltsame Eiweißablagerungen, die er als "senile Plaques" bezeichnete. Wie sich die Zerstörungsprozesse im Gehirn abspielen, ist bis heute nicht erforscht. Auch dem Frankfurter Irrenarzt blieb dies verborgen. Dennoch sollte die Krankheit später seinen Namen tragen: Morbus Alzheimer.