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Dokumittwoch

Zehn Monate nach dem Unglück geht Veranstalter Rainer Schaller zum ersten Mal an die Unglücksstelle im Tunnel.; Rechte: wdr

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Mi 10.08. ab 20.15 Uhr
Mi 10.08. ab 00.00 Uhr
Do 11.08. ab 14.15 Uhr
Do 11.08. ab 04.00 Uhr
Fr 12.08. ab 09.00 Uhr

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Mi 10.08. ab 20.15 Uhr

Plötzlich war alles anders

Die Massenpanik auf der letzten Loveparade ruft immer noch bei vielen Menschen schlimme Erinnerungen wach. Wir blicken zurück auf die Ereignisse und begleiten betroffene Menschen. Gleich im Anschluss suchen wir das "Leben nach dem Alptraum". Es geht um die Verarbeitung schlimmer Erinnerungen. "Ich gebe nicht auf" sagt auch eine schwer kranke Frau, die ihren ganz persönlichen Schicksalsschlag meistert. Und zum Schluss kommt eine Doku über "Die Angst-Industrie". Der Film hinterfragt, ob wir als Zuschauer all diese Lebensrisiken eigentlich richtig wahrnehmen und die richtigen Schlüsse daraus ziehen.

Die letzte Loveparade - Mi 10.08. um 20.15 Uhr


Mi 10.08. um 20.15 Uhr
Mi 10.08. um 00.00 Uhr
Do 11.08. um 14.15 Uhr
Do 11.08. um 04.00 Uhr
Fr 12.08. um 09.00 Uhr


Verlust und Verantwortung nach der Katastrophe
Ein Film von Eva Müller und Maik Bialk

Nach jedem Unglück wird irgendwann aufgeräumt. Alles sieht aus wie vorher. Für die meisten. Nicht aber für die, die für die Loveparade verantwortlich waren. Schon gar nicht für die Angehörigen der Opfer. Wie ist für sie das Jahr vergangen?

Seit dem 24. Juli 2010 haben Fabians Eltern sein Zimmer nicht mehr betreten. In diesem Jahr wollte er sein Abitur machen, danach Informatik studieren. Bis an jenem Sonntagmorgen zwei Polizisten kamen und sagten, dass Fabian tot ist. Er war ihr einziger Sohn. 'Wenn ich an dem Tisch sitze, dann weiß ich, er hat immer da gesessen. Jede Ecke in dieser Wohnung verbindet man mit ihm. Wir können das Zimmer von Fabi genauso gut zubetonieren, weil es nie wieder sinnvoll genutzt werden wird, zumindest nicht von uns.' Fabians Eltern planen den Umzug, einen Neuanfang, irgendwie. Weitermachen ist für sie unmöglich.

Genau das versucht offenbar Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Was vielen absurd erscheint, für ihn bedeutet Weitermachen Ruhe, denn jeder Spatenstich, jede Einweihung, jeder Lokaltermin ist rettende Normalität. Keine Auszeit, keine psychologische Hilfe. Er hat die Verantwortung für das Unglück nicht übernommen, weil er sich sicher ist, keine Fehler gemacht zu haben. Und so nimmt er jeden Tag öffentliche Termine war. Wird angeschrien. Bedroht. Mit Ketchup bespritzt. Sauerland zieht sich um und macht weiter. Respektiert, wie er sagt, dass die Angehörigen ihn nicht sehen wollen.

'Am Anfang hat man überhaupt keine Zeit dazu, wütend zu sein', sagt Fabians Mutter. 'Weil man es überhaupt noch nicht begreifen kann. Aber so langsam staut sich irgendwas. Man möchte jemanden haben, auf den man wütend sein kann.'

Während Fabians Eltern sich über die Frage der Schuld zunächst wenig Gedanken machen, wird die Firmenzentrale von Veranstalter Rainer Schaller von der Staatsanwaltschaft durchsucht. Er selbst meidet die Öffentlichkeit. Traut sich nur mit Sonnenbrille und Mütze aus dem Haus. Hat sich psychologische Hilfe gesucht. Und die Videos seiner Überwachungskameras vom Tag ins Netz gestellt. Zur Aufklärung, sagt er. Die Videos werfen eine Menge Fragen auf: Nach einem Schichtwechsel der Polizei zum Beispiel - mitten am Nachmittag, mitten durch die Menge. Nach einem Gitter, über einen defekten Gully gelegt - am Haupteingang, wo später Menschen sterben. Und immer wieder die Frage nach dem Tunnel, einem Engpass, durch den alle Besucher müssen. Vor allem aber zeigen diese Bilder, was in den Minuten vor dem Unglück wirklich passiert ist. Viele haben Fehler gemacht.

Rainer Schaller hat moralische Verantwortung übernommen. Nach fast einem Jahr trifft er sich mit den Angehörigen. Besucht noch einmal den Tunnel. Und nach langen Monaten erkennt auch Bürgermeister Sauerland, dass er nicht mehr 'einfach weitermachen' kann. 'Das hätte von mir kommen müssen. Die Übernahme moralischerVerantwortung, sich bei den Angehörigen der Opfer zu entschuldigen. Im Nachgang weiß ich es, es tut mir auch unendlich Leid, dass ich es nicht getan hab, sofort, sondern, dass so viel Zeit vergangen ist.'

Ändert das etwas? Ein Bürgermeister, ein Veranstalter und die Eltern eines Opfers - keiner glaubt, dass man je wieder sein wird wie vor der Katastrophe. Eva Müller und Maik Bialk haben sie ein Jahr lang bei dem Versuch begleitet, die Katastrophe und ihre Folgen zu überstehen.

Leben nach dem Albtraum - Mi 10.08. um 21.00 Uhr


Mi 10.08. um 21.00 Uhr
Mi 10.08. um 00.45 Uhr
Do 11.08. um 15.00 Uhr
Do 11.08. um 04.45 Uhr
Fr 12.08. um 09.45 Uhr


Ein Film von Liz Wieskerstrauch

So genannte Großschadenereignisse, Krieg, die übermächtige Gewalt von Naturkatastrophen, Terrorattentate, aber auch individuelle Katastrophen - wie hält die Seele das aus? Die Erzieherin Claudia Becker wird im Frühjahr 2004 von einem Jugendlichen mit dem Messer niedergestochen. Zwei Tage lang schwebt sie in Lebensgefahr. Sie muss mehrfach operiert werden. Nachdem die körperlichen Wunden langsam vernarben, brechen die seelischen auf: ein Gefühl, als würde sie plötzlich neben sich stehen, Angstzustände, Albträume, Hilflosigkeit. Die bis dato willensstarke junge Frau erkennt sich selbst nicht wieder. Traumatherapeut Dr. Georg Pieper hilft ihr, das traumatische Ereignis zu bearbeiten und in wenigen Wochen die Angst zu überwinden. Am Ende traut sie sich sogar wieder zum Tatort.

Der Krankenpfleger Jürgen Frommelt überlebt einen schweren Autounfall, doch seine Freundin und seine beiden Kinder sterben am Unfallort. Das wirft ihn vollkommen aus der Bahn. Er kündigt die Wohnung, gibt seinen Job auf und reist von Ort zu Ort, immer auf der Flucht vor sich selbst. Doch die Flashbacks verfolgen ihn überall hin: Er sieht das brennende Auto, eine Kinderhand, spürt die eigenen Schmerzen, bekommt Schweißausbrüche und Herzrasen, und alles fühlt sich so an, als würde es gerade jetzt geschehen. Nach zwei Selbstmordversuchen nimmt er endlich psychotherapeutische Hilfe an.

Die an sich lebenstüchtige Marlies Rooch bekommt Mitte 40 einen Schlaganfall, und danach quälende Panikattacken. Die Ärzte wissen nicht weiter. In einer psychotherapeutischen Klinik stellt man fest, dass mit der medizinischen Ursache uralte Ängste wieder aktiviert wurden - Ängste nach einer Kindheit voller Vernachlässigung, Gewalt, sexuellem Missbrauch. In einer Traumastation wird ihr mit den neuesten therapeutischen Methoden geholfen.

Der Film von Liz Wieskerstrauch erzählt in einer sensiblen Bildsprache von diesen Menschen, ihren Ängsten und Albträumen, und zeigt, wie posttraumatische Belastungsstörungen in ambulanter wie klinischer Traumatherapie behandelt werden.

Vom Schicksal geschlagen - Mi 10.08. um 21.45 Uhr


Mi 10.08. um 21.45 Uhr
Mi 10.08. um 01.30 Uhr
Do 11.08. um 15.45 Uhr
Fr 12.08. um 05.30 Uhr
Fr 12.08. um 10.30 Uhr


Ich gebe nicht auf
Ein Film von Thomas Karp

Es war wie eine Wunderheilung: Margarethe S. war schwer krebskrank. Die 56-Jährige wurde aus dem Krankenhaus entlassen und sollte die ihr verbleibende Zeit im Kreis der Familie genießen. Was dann folgte, bezeichnen auch die behandelnden Ärzte als Wunder: Die Frau ist nach einer Spontanheilung wieder kerngesund. Das Leben von Margarethe wurde innerhalb kürzester Zeit zweimal komplett auf den Kopf gestellt.

Für Norbert V. ist seit einem schweren Unfall nichts mehr so wie es vorher war. Der 55-Jährige rutschte auf dem Bahnsteig aus und stürzte vor einen gerade einfahrenden ICE. Dabei verlor er sein linkes Bein und den rechten Fuß. 'Aufgeben gab es für mich aber nicht', sagt Norbert heute. Ein Jahr nach dem Trauma arbeitet der Medienunternehmer wieder und ist mit Rollstuhl und Prothesen unterwegs.

Zwei von mehreren Beispielen, die diese Dokumentation vorstellt. Darin begleitet Autor Thomas Karp Menschen, deren Leben nach Schicksalsschlägen aus den Fugen geraten ist.

Die Angst-Industrie - Mi 10.08. um 22.30 Uhr


Mi 10.08. um 22.30 Uhr
Mi 10.08. um 02.15 Uhr
Do 11.08. um 16.30 Uhr
Fr 12.08. um 06.15 Uhr
Fr 12.08. um 11.15 Uhr


Warum wir Risiken maßlos überschätzen
Ein Film von Tilman Achtnich

Vogelgrippe, SARS, BSE, Feinstaub - das sind die Risiken, vor denen wir uns fürchten. Riesenschlagzeilen, aufgeregte Politiker, verunsicherte Menschen. Panik, Hysterie, Aktionismus. Wir wollen Nullrisiko von unserem Staat, den Schutz vor allen Gefahren des Lebens. Vollkasko. Aber Risikoabwehr kostet immer mehr Geld. Und bringt oft wenig. Für die BSE-Bekämpfung zum Beispiel geben wir Hunderte von Millionen Euro aus und schützen uns vor einem Risiko, das statistisch nicht existiert. Das Geld hätte besser eingesetzt werden können, um Krankenhausinfektionen zu verhindern, an denen jährlich Tausende Patienten sterben. Warum bewerten wir Risiken völlig irrational?

Welche Rolle spielen Wissenschaftler, die Medien und die Politik bei der Bewertung von Risiken? Warum haben wir Angst vor BSE, aber rauchen gleichzeitig, klettern beim Fensterputzen auf den wackligen Küchenstuhl und setzen uns täglich im Straßenverkehr tausendmal höheren Gefahren aus? Ist der tägliche 'Katastrophismus' gar eine deutsche Eigenschaft? Panik bei Nitrat im Kopfsalat, Thrombosen im Flugzeug und Elektrosmog. 'Die Deutschen trinken sich zu Tode, rauchen sich zu Tode, fahren sich zu Tode. Kann jeder selbst entscheiden. Aber wenn eine Gefahr von außen droht, werden sie hysterisch', überspitzt es ein Ausländer, der schon lange hier lebt.

Die Dokumentation rechnet ab mit manchen Irrungen in der Risikobewertung.