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Schau mir in die Augen, Kleiner

Di 25.05. um 20.15 Uhr

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Di 25.05. um 20.15 Uhr
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Schau mir in die Augen, Kleiner

Dokumentarfilm Deutschland 2007

"Gay is not enough anymore", sagt der amerikanische Filmemacher John Waters und grinst unter einer Brücke im New Yorker Meetpacking District: "It's a good start!" Früher, erzählt der Regisseur Joseph Lovett in seinem Dokumentarfilm "Gay Sex in the Seventies", fand genau hier, in den nach Fleisch riechenden LKW der Schlachthöfe, die unbeschwert-anonyme Begegnung schwuler Männer in New York statt.

Die Rezeption des schwulen Films beginnt unter froschgrüner Bettwäsche. Vier Füße lugen aus dem unteren Ende hervor, unsortiert. Am anderen Ende zwei Köpfe Anfang 30 und eine Fernbedienung, davor ein großer Bildschirm, auf dem der Film "Abschiedsblicke" läuft, kurz bevor sich die Körper tröstend ineinander verschrauben und die grüne Bettwäsche verrutscht; bevor die Gänsehaut dem Bewusstsein um das eigene Lebensgefühl Ausdruck verleiht, der Trauer darüber, dass da im Spielfilm die ersten Opfer einer neuen Krankheit zu sehen sind, die Mitte der 80er Jahre die homosexuelle Welt erschütterte - und dem tröstenden Gefühl, dass da noch andere sein müssen, die sich unter froschgrüner Bettwäsche nicht mehr nur heimlich näher kommen.

So schön und traurig kann Hollywood sein, so hilfreich für das Coming-out von jungen Leuten, die über homosexuelle Filme Trost gefunden haben - und eigenes Selbstbewusstsein. "Schau mir in die Augen, Kleiner" erzählt von der Geschichte und der Rolle des schwul-lesbischen Films, der selbst vor noch nicht allzu langer Zeit unter der Decke versteckt wurde. Ein Film über das Coming-out auch dieses Genres, erzählt anhand zahlreicher Beispiele homosexuellen Kinos aus der ganzen Welt von Anfang der 1970er Jahre bis heute.

Dass eine große Anzahl von Filmen in den 80ern entstand, die das Aufkommen der Immunschwächekrankheit Aids thematisierten, ist womöglich auch bezeichnend. Schwulen und Lesben ein glückliches und selbst bestimmtes Leben auf den Leib zu dichten, erschien vielen Filmemachern lange Zeit als unmöglich, ganz zu schweigen von einem Happy End. Das Leben eines Homosexuellen im Film konnte nur leer, einsam, jämmerlich und tödlich sein - und das zum Teil bis heute. Und dennoch gibt es sie, die Filme, die der Generation der Anfang 20jährigen zu einem erträglicheren Coming-out verhelfen: schwule Filme, die an einfachere Zeiten glauben lassen. Um zu dieser Stellung zu kommen, hat der schwul-lesbische Film gesellschaftliche Barrieren durchbrochen, sich immer wieder behaupten - und auch beim großen Publikum sein Coming-out erleben müssen. Davon - und von einer Vielzahl wichtiger Filme der letzten Jahrzehnte, handelt dieser preisgekrönte Dokumentarfilm, der auf der diesjährigen Berlinale in der Reihe "Panorama" seine Premiere feierte.

"Schau mir in die Augen, Kleiner" zeigt Ausschnitte aus über 30 Spielfilmen - von Rosa von Praunheims "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" aus dem Jahr 1970 bis zum Kassenschlager des Jahres 2006: Ang Lee's "Brokeback Mountain". Dazwischen liegen Kinohighlights aus fast 40 Jahren - Filme wie "Die Konsequenz", "Beautiful Thing", "Mein wunderbarer Waschsalon", "Coming Out", "Orlando" oder "8 Femmes" und "Meeresfrüchte", kommentiert und eingeordnet durch eine Menge mitunter sehr persönlicher Gespräche, die der (homosexuelle) Autor und Regisseur André Schäfer in Europa, Asien und Amerika für diesen Dokumentarfilm geführt hat.

Zu Wort kommen Regisseure wie die Amerikaner Gus van Sant ("My Own Privat Idaho"), Alex Sichel ("All over me") oder John Waters ("Pink Flamingos"), die lesbische deutsche Regisseurin Angelina Maccarone ("Fremde Haut"), der Brite Stephen Frears ("Mein wunderbarer Waschsalon"), die Deutschen Rosa von Praunheim ("Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt") und Wieland Speck ("Westler"), die Franzosen Jacques Martineau und Olivier Ducastel, die beruflich und privat ein Paar sind ("Meeresfrüchte"), der Inder Onir ("My Brother Nikhil") und viele andere homo- und heterosexuelle Filmemacher, die von ihren ganz privaten Eindrücken über das schwul-lesbische Kino erzählen. Aber auch Schauspieler wie Jeroen Krabbé ("Der vierte Mann"), Ingrid Caven ("Satansbraten"), Tilda Swinton ("Orlando" und "Edward II") oder Jean-Marc Barr ("Meeresfrüchte") erzählen von ihren Erfahrungen auf der anderen Seite der traditionellen Geschlechterrolle.