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Dokumentation & Reportage

Dokus über Armut

Do 15.04. ab 14.15 Uhr

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Arm und abgeschrieben - Wer hilft aus der Krise?


Do 15.04. um 14.15 Uhr
Fr 16.04. um 04.00 Uhr
Fr 16.04. um 09.00 Uhr


Film von Clara Walther und Alessandro Nasini

'Wohlstand für alle?' Inzwischen ist jeder vierte Bundesbürger von Armut betroffen, im größten Bundesland - Nordrhein-Westfalen - verdienen acht Prozent der Menschen trotz fester Arbeit so wenig, dass sie davon nicht leben können. Ist Deutschland auf dem Weg zum 'Almosen- und Suppenküchenstaat'?

Allen voran helfen auf dem neuen 'Wohlfahrtsmarkt' die großen Kirchen. 'Der Staat zieht sich mehr und mehr zurück, was ich bedaure', betont der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz Robert Zollitsch. Und in der Tat: Kirchliche Lebensmitteltafeln boomen, weil die staatlichen Hilfen zum Leben nicht ausreichen. Mit ihrem Engagement erschaffen sich die Kirchen ein neues Betätigungsfeld: Während die Kirchenbänke weiter leer bleiben, drängen sich die Menschen in kirchliche Kleiderkammern und Lebensmittelausgaben. Der Kölner Pfarrer Franz Meurer will damit gegen die Armut kämpfen. Aber der Soziologe Stefan Selke hält dagegen. Mit dem neuen Wohlfahrtsmarkt 'zementierten' die Kirchen die Armut. Er sei eine Form der 'Abspeisung', anstatt Politik und Regierung in die Pflicht zu nehmen.

Die Kirchen wehren sich gegen den Vorwurf. Schließlich bekämpfen sie Armut auch auf anderen Wegen: Der Sozialdienst katholischer Männer und Frauen in Bochum-Wattenscheid hilft durch Beratung, Langzeitarbeitslose zurück in Arbeitsverhältnisse zu führen. Aus Teilen der neuen Regierung kommt Applaus: Ein 'schlanker Sozialstaat' könne schließlich nur funktionieren, wenn neue Wege der Fürsorge erschlossen werden: Mehr Eigeninitiative, mehr Engagement von Privatleuten und starke karitative Einrichtungen wie sie die Kirchen bieten. Lässt sich der Sozialstaat tatsächlich so retten? Vor allem aber: reicht das?

(Erstsendung im ERSTEN: 16.12.2009)

Abgestempelt? Leben mit Hartz IV


Do 15.04. um 15.00 Uhr
Fr 16.04. um 04.45 Uhr
Fr 16.04. um 09.45 Uhr


Ein Film von Thomas Reutter und Sylvia Nagel

Seit Monaten führt Werner F. einen verzweifelten Kampf um das Allernötigste: Der arbeitslose Kraftfahrer und Hartz-IV-Empfänger aus Mainz hat zwar eine Wohnung, aber keine Möbel. Keinen Schrank, keinen Stuhl, keine Küche. Stattdessen stapeln sich bei ihm Berge von Akten; denn seine Anträge bleiben oft unbearbeitet, seinen Sachbearbeiter bekommt er nicht zu sehen und nicht ans Telefon.

Michael R. ist fast noch schlimmer dran. Er wohnt bei seiner Mutter, der Rentnerin Gisela R., in einem kleinen Häuschen. Der Strom ist abgestellt, ebenso Gas und Wasser, wegen Zahlungsrückständen - weil sie Rechnungen nicht mehr bezahlen konnten. Michael R. und seine Mutter sitzen im Dunkeln und frieren. Das Wasser zum
´Spülen müssen sie aus einer Regenwassertonne holen. Kühlschrank und Herd sind seit langem tot, nur ein Campingkocher funktioniert noch. Das Amt will die Rentnerin Gisela R. zwingen, ihr Häuschen aufzugeben, was sie und ihr Sohn aber nicht wollen. Doch das Amt sagt: Erst wenn sie ausziehen, gibt es Hilfe. Ein fast aussichtsloser Kampf, bei dem sie um jede Kerze feilschen müssen.

Hartz IV - was bedeutet das im Agenda-Jahr 2010? Die Autoren Thomas Reutter und Sylvia Nagel sind auf Spurensuche gegangen und ihr Befund ist bedrückend: Sie begegnen Menschen wie Ina M., gelernte Kommunikationskauffrau, alleinerziehende Mutter. Erst kämpfte sie gegen die Krise, gegen den sozialen Abstieg. Jetzt ist sie fast ganz unten angelangt, verliert ihre Wohnung. Schon vor Monaten hat sie einen Antrag auf Arbeitslosengeld II gestellt, doch das Amt lässt sie und ihr Kind hängen.

Bei Mandy D. sieht es ähnlich trostlos aus: Seit der Geburt ihres Sohnes vor elf Jahren lebt sie von Unterstützung. Sie hat eine Berufsausbildung und möchte unbedingt arbeiten. Doch die Angebote, die sie bekommt - auch zur Weiterbildung - passen nicht in ihren schwierigen Alltag mit einem Kind, das wegen einer Erkrankung besondere Unterstützung braucht.

Wolfgang D. hat bereits alles verloren: Ihm hat die Arge so lange die Leistungen gekürzt, bis er sich auf einer Pritsche im Obdachlosenasyl wiederfand. Selbst seine Anwältin konnte ihn vor so viel zielgerichteter Sanktionierung nicht bewahren.

Die Autoren versuchen aber auch, die andere Seite zu beleuchten: Unter welchem Entscheidungsdruck stehen die Sachbearbeiter bei der Bundesagentur für Arbeit, bei den Jobcentern oder der Arge? Wie kommt es, dass so viele falsche Bescheide ergehen, die von Sozialgerichten wieder aufgehoben werden müssen?

Die Ursachenforschung liefert keine einfachen Antworten. Die Probleme sind vielschichtig. Im Jahr fünf der größten Arbeitsmarktreform in Deutschland scheint aber eines sicher: Vielen Menschen ist Hartz-IV keine Hilfe, kein 'Fördern und Fordern', sondern vielfach das Gegenteil: Fachleute sprechen von unsinnigen Maßnahmen, sogar von Willkür. Die Reform droht, ihre Ziele zu verlieren.

(Erstsendung im ERSTEN: 13.01.2010)

Ausgeträumt - Fünf Jahre Leben mit Hartz IV


Do 15.04. um 15.45 Uhr
Fr 16.04. um 05.30 Uhr
Fr 16.04. um 10.30 Uhr


Ein Film von Julia Friedrichs, Eva Müller und Markus Zeidler

Am Anfang war ein Versprechen. Die Jahrhundertreform, Hartz 4, sollte die Zahl der Arbeitslosen halbieren, sollte aus schwerfälligen Behörden den Jobmotor der Nation machen.

Fünf Jahre ist das her. Seitdem waren die Reporter der aktuellen Dokumentation immer wieder in Hagen in Westfalen unterwegs. Sie haben die Menschen im Amt begleitet, die Hartz IV umsetzen und sie waren bei den Menschen in der Stadt, die damit leben müssen.

Volker Hesse zum Beispiel, der mal Vorstandsassistent war, bevor er Langzeitarbeitsloser wurde. Darko Trisic, der fünf Jahre lang Chef von hunderten Ein-Euro-Jobbern auf dem Hagener Friedhof war. Oder Michael Overath, der als Fallmanager anfangs die Idee von Hartz IV gut fand, den die Realität aber schnell zweifeln ließ.

Nach fünf Jahren ziehen sie alle Bilanz: Haben sich die Versprechen erfüllt? Haben mehr Menschen Arbeit? Und wer sind die Gewinner - wer die Verlierer der Reform? Ein Film über fünf Jahre, die das Land verändert haben.

(Erstsendung WDR FS: 11.01.2010)

Stark reduziert - Verkäuferinen bei Woolworth


Do 15.04. um 16.30 Uhr
Fr 16.04. um 06.15 Uhr
Fr 16.04. um 11.15 Uhr


Ein Film von Ines Jacob und Ute Hilgefort

Mitte 2009 hat die Billigkette Woolworth Insolvenz angemeldet. Seitdem sucht der Zwangsverwalter nach einem Käufer für die Filialen, sonst droht die endgültige Pleite. 'Stark reduziert' werden bei Woolworth nicht nur die Waren angepriesen, sondern der Spruch gilt auch für das Personal. Viele Festangestellte müssen gehen, andere sollen für wesentlich weniger Lohn arbeiten.

Die Betriebsrätin Brigitte K. muss sich innerhalb von drei Tagen entscheiden, ob sie 'das Angebot' des Insolvenzverwalters annimmt. Über dreißig Jahre ist sie im Betrieb, jetzt soll sie nur noch fast die Hälfte des Lohns bekommen. Die Minijobberinnen dürfen alle bleiben, aber auch sie hatten ihre Träume vom festen Arbeitsplatz. Es ist unklar, ob der Laden überhaupt überlebt.

Was spielt sich in einer Filiale wie in Köln-Mülheim ab, wenn die langjährigen Kolleginnen gehen, das Sortiment ausgedünnt wird und auch die Kunden verunsichert sind? Wie verkraften Verkäuferinnen und Geschäftsführung die Monate der Ungewissheit, wie kommen sie untereinander klar und was wird aus denen, die jetzt zum Arbeitsamt müssen? Wird Woolworth es schaffen oder wird aus der Insolvenz noch die endgültige Pleite?

Das Film-Team konnte den Kampf ums wirtschaftliche Überleben ein halbes Jahr lang intensiv begleiten.

(Erstsendung WDR-FS: 14.01.2010)